Sehr geehrter Herr Wowereit,
„Reicher werden und sexy bleiben“ – Aus unserer Sicht ist dieses Motto als politisches Programm für diese Stadt und speziell für die Schulpolitik in Berlin reine Provokation und völlig unzureichend. Für die Berliner Schulen beinhaltet die Koalitionsvereinbarung zwei nicht hinnehmbare Folgen:
Der Brief in Gänze:
Gesamtelternvertretung
Vorstand: xxxxxx (Vorsitzender), xxxxxx, xxxxxx, xxxxxx
GEV / xxxxxxx-Gymnasium, xxxxxx, 12249 Berlin
Berlin, den 26. Nov. 2011
- Herrn Klaus Wowereit -
Jüdenstr. 1
10178 Berlin
In gleichem Wortlaut an: - CDU Landesverband Berlin, Herrn Frank Henkel
- Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Sehr geehrter Herr Wowereit,
„Reicher werden und sexy bleiben“ – Aus unserer Sicht ist dieses Motto als politisches
Programm für diese Stadt und speziell für die Schulpolitik in Berlin reine Provokation und
völlig unzureichend. Für die Berliner Schulen beinhaltet die Koalitionsvereinbarung zwei
nicht hinnehmbare Folgen:
- Die „Kontinuität“ in der Schulpolitik
- Die weiter ausbleibende Verbeamtung der angestellten Lehrer bzw. die fehlende
Aussicht auf ihre soziale Gleichstellung mit den beamteten Kollegen
Das bedeutet, dass die Schulen in Berlin auch in Zukunft mit unfertigen Reformen rechnen
und umgehen müssen und dass der Druck auf die Schulen – besonders auf die Gymnasien
– bleibt.
Dabei sind die Folgen der bisherigen Reformen wie der verkürzten Schulzeit und der
pädagogischen Konzepte noch gar nicht verarbeitet. Durch diese Missstände gehen z.B.
Achtklässler zu dieser Jahreszeit im Dunkeln aus dem Haus und kommen nach dem Unterricht
im Dunkeln zurück, weil sie ein Stundenpensum haben, das jeden Gewerkschafter
sofort auf die Barrikaden treiben würde. Eltern müssen sich jeden Tag entscheiden, ob sie
ihr Kind zuhause noch zu weiterem Lernen und Arbeiten antreiben oder es vor Überforderung
schützen.
Lehrer sehen sich als Angestellte fortgesetzter sozialer Ungleichstellung ausgesetzt,
während die Folgen offensichtlich unterschätzt bzw. in Kauf genommen werden. Obwohl es
erklärtes Ziel der alten und neuen Landesregierung ist, die Verbeamtung der Lehrkräfte
abzuschaffen, werden nach wie vor Beamte aus anderen Bundesländern angeworben und
eingestellt. Diese Praxis schlägt vor allem die jungen Lehrern vor den Kopf, die nun ihre
Konsequenzen ziehen: Von 22 angestellten Lehrern an unserer Schule haben 17 bereits
Freigabeanträge eingereicht und erwägen ernsthaft, Berlin zu verlassen. Hierbei ist die
xxxxxxxx-Schule bei weitem kein Einzelfall.
So kann Schule nicht gelingen. So wird unser Bildungssystem fahrlässig bis vorsätzlich zum
Scheitern gebracht. Daher wehren wir uns massiv gegen das von der Koalition beschlossene
„Weiter so“. Es wird Zeit, dass Schulpolitiker, Schulverwaltung und Schulen zusammenarbeiten
statt gegeneinander. Es wird Zeit, dass langfristige, tragfähige und machbare
Konzepte entwickelt werden statt improvisierter und praxisferner Reformen.
Wir fordern Sie auf, mit uns ins Gespräch zu kommen, um das verbliebene Engagement und
den letzten guten Willen aller Beteiligten nicht aufs Spiel zu setzen.
Eltern, Lehrer und Schüler der xxxxxx-Oberschule